Ein langer Kommentar zu „Hitlers chinesische Familie“
(2012-06-29 01:42:47)
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杂谈 |
Ein langer Kommentar zu „Hitlers chinesische Familie“, @德语老师Sven
Die komische Hitler-Verehrung bei manchen Chinesen hängt sicher mit fehlenden historischen Kenntnissen zusammen. Persönlich Erfahrenes spielt dabei aber ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch wenn viele meiner Landsleute Deutschland sympathisch finden, ist Deutschland von China doch weit entfernt und man hat deshalb kaum persönlichen Zugang. Was man an Deutschland erleben konnte, war lange Zeit nur das legendäre „Made in Germany“ bzw. irgendeine alte Legende darüber. Ich kann mich z.B. bis heute an einen Spruch meines Großvaters erinnern: „Deutsche sind anständige Leute. Sie zahlen gut, wenn man ordentlich arbeitet. Die Japaner aber, die sind alle Schweine!“ Er war in seinen jungen Jahren Eseltreiber und hatte sowohl Deutsche, die in der Gegend ein Kohlenrevier besessen hatten, erlebt, als auch später die Japaner, die das Kohlenwerk besetzten. Als er mir seine Ansichten erzählte, kam ich gar nicht erst darauf, diesem Schwarz-Weiß-Bild irgendetwas entgegenzusetzen. Denn ich wusste zwar vom bösen Nazi-Deutschland, doch es war für mich nichts weiter als der abstrakte Begriff „Faschismus“ und ein paar Daten, die in keiner Verbindung zu mir standen. Japan war hingegen etwas Anschauliches: das war das Massengrab, das die japanische Besatzung im Kohlenrevier hinterlassen hatte. Darin lagen Schicht über Schicht Skelete von Zwangsarbeitern. An den Überresten konnte man teilweise erkennen, auf welche Weise sie gequält getötet worden waren.
Später, als die Reform- und Öffnungspolitik sich umzusetzen
begann, wurde auf die chinesisch-japanische Freundschaft geschworen
und das Massengrab wurde zugeschüttet. Trotz
Freundschaftspropaganda änderte sich mein Japan-Bild nicht. Im
Gegenteil, die Antipathie gegen Japan wuchs, und wächst noch immer.
Von Japan ist kein Willi-Brandt-Kniefall gekommen, nicht einmal
eine offizielle Bitte um Entschuldigung. Unter den Japanern, die
ich kennengelernt habe, sind diejenigen Ausnahmen, die etwas
Genaueres über die Verbrechen der japanischen Armee in China
wissen. Zugleich ist aber auch der Unmut gegen die chinesische
Regierung gewachsen, denn Verbrechen gegen die Menschlichkeit muss
man rechtlich aufarbeiten und man kann sie nicht einfach mit
Freundschaftsbeteuerunge
Und das Deutschland-Bild? Es hat sich differenziert und ist
vielschichtiger geworden. In Deutschland bin ich Liebhaber der
deutscher Sprache und Literatur geblieben, aber das
Nazi-Deutschland ist nicht mehr abstrakt. Nicht nur ehemalige KZ
habe ich besichtigt, sondern auch Holocaust-Überlebende oder ihre
Nachfahren habe ich kennengelernt, selbst mit Nachfahren von dieser
oder jener Nazi-Größe habe ich gesprochen. Wenn man so was erfahren
hat, kann man einen Hitler nicht mehr verehren, selbst wenn so
manche Stellungnahmen des Zentralrats der Juden in Deutschland zu
irgendeinem Anlass nerven. Wenn man dazu dann auch noch die
Tagebücher von einem Victor Klemperer liest, zerplatzen so manche
Legenden über die Nazi-Zeit von selbst.
Andererseits, wie Deutsche die Hitler-Verehrung in China
verwunderlich finden, finde ich es genauso verwunderlich, wie wenig
man in Deutschland über die japanischen Kriegsverbrechen im Zweiten
Weltkrieg weiß. Ich frage mich manchmal, ob die Deutschen in Japan
immer noch das „Land des Lächelns“ sehen und ob sie noch immer
japanische Kultur hochjubeln, wenn sie nur wüssten, wie japanische
Unternehmen bzw. ihre Vorgängerunternehmen zu ihrer
verbrecherischen Geschichte stehen. Noch mehr wundere ich mich,
warum so demokratisch aufgeklärte Deutsche ausgerechnet einem
Gottkönig und Ex-Sklavenhalter so eifrig hinterherlaufen. So
scheint es mir, dass es in beiden Ländern, wenn auch unter
unterschiedlichen Voraussetzungen, doch an Wissen und Informationen
mangelt. In beiden Ländern gibt es z.B. kaum Informationen darüber,
dass solche Zen-Meister wie Suzuki
Daisetsu
Es reicht nicht, lediglich zu sagen, dass so etwas mich ankotzt. Wichtig ist, dass einfache Menschen die Möglichkeiten bekommen, sich über ihre eigenen Erfahrungen auszutauschen. Persönliche Kontakte erleichtern oft den Zugang zum Wissen, und Wissen, das ist die einzige wirklich effektive Waffe gegen Dummheit und Vorurteile.

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